Grimmstraße

Sanierung Wohnanlage, Hannover-Südstadt

Planungszeitraum 2010 - 2013
Fertigstellung 2014
Bauherr Wohnungsgenossenschaft Heimkehr eG, Hannover
Leistungen LPH 1-5 + bauk. Oberleitung
Umfang 30 Wohneinheiten, ca. 2.700 qm Wohnfläche
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Die drei in der frühen Nachkriegszeit auf gründer­zeit­lichen Fundamenten errichteten Wohngebäude liegen in einem kurzen, teils noch im Ursprung erhaltenen Stra­ßen­zug in Hannovers Südstadt. Nicht zuletzt aufgrund der Lage in Sichtweite zum eigenen Geschäftssitz legte der Eigen­tümer, die Wohnungsgenossenschaft Heim­kehr, beson­deren Wert auf die bauliche Konzeption einer lang­fristigen Weiternutzung, die aufgrund des überkom­menen energetischen Standards sowie gestie­gener Ansprüche an die Wohnqualität notwendig wurde.

 

Ein Neubau im städtebaulich dichten Umfeld kam aus wirtschaftlichen Erwägungen und aufgrund des dann nachzuweisenden Stellplatzschlüssels nicht in Frage. So entschied man sich für eine Komplettsanierung, mit dem Ziel, eine neubauwertige Wohnanlage zu erstellen:

Neben innovativen energetischen Konzepten (KfW 70-Standard, Photovoltaik, Geothermie) sollten sowohl die äußere Erscheinung der Häuser als auch vor allem die Wohnungsgrößen und Grundrisszuschnitte den zeit­gemäßen Ansprüchen an innerstädtisches Wohnen angepasst werden. So wurde die Erschließung der Gebäude von 3-Spänner- auf 2-Spänner-Typen um­organisiert: die vormals sehr kleinen, ausschließlich straßenseitig belichteten Wohnungen wurden aufge­geben zu Gunsten von geräumigeren, offenen Grund­risslösungen zum „Durchwohnen“.

 

Die drei Erschließungskerne erhielten 5-geschossige Aufzugs­anlagen zur komfortablen Erschließung aller 30 barrierefrei gestalteten Wohneinheiten, die so einer breiten Nutzergruppe zur Verfügung gestellt werden können.

 

Mit dem aufgestockten und ausgebauten Dachgeschoss wurde - als Zugewinn und Kompensation für die auf­wendigen Sanierungsmaßnahmen - zusätzliche Wohn­fläche für hochwertige Maisonettewohnungen und groß­zügige Dachterrassen auf oberster Ebene geschaf­fen.

 

Die äußere Erscheinung der Gebäude wird geprägt durch die wesentliche Entwurfsentscheidung: Wohn-, Koch- und Aufenthaltsbereiche der Wohnungen wurden, zeit­gemä­ßen Ansprüchen folgend, auf die besonnte Gartenseite verlegt und mit einem der Fassade vor­gestellten „Balkon­regal“ aus beton(g)rauen Fertigteilen um ein „Außen­wohn­zimmer“ erweitert. Die ehemals sehr kleinen, zur Straße orientierten Ostbalkone hingegen wurden großflächig verglast und so als Flächen für Schlaf- und Individualräume hinzu­ge­won­nen. Diese fein abgesetzten, golden gerahmten Erker bestimmen nun die straßen­seitige Fassade und erinnern zusammen mit den großzügig verglasten Gauben im Dachgeschoss an die gründerzeitliche, großbürgerliche Vergangenheit des gesamten Straßenzuges.

 

Von dem goldenen Farbakzent abgesehen - der in den Eingangsbereichen mit tief zurückgesetzten Eichentüren und vorspringenden Glasöffnungen seine Fortsetzung findet - erscheint das Gebäude mit zurückhaltende Farbgebung und reduzierten Detaillösungen, wie die scheinbar rahmenlosen Fenster und Absturz­siche­run­gen auf der Straßenseite.

 

Ganz im Sinne der nachkrieglichen Bauweise werden überwiegend seriell bzw. industriell gefertigte Produkte eingesetzt: örtlich eingebrachter, geglätteter Industrie­estrich als Belag in den Treppenhäusern, Eichen-Industrie­parkett in den Wohnungen, Betonfertigteile für die Balkonanlage, die Traufgesimse und Grund­stücks­ein­fas­sungen sowie Stahl-Gitterostkonstruktionen als Pergola und Sichtschutzwände auf den Dachterrassen. Wohnliche Atmosphäre wird mit punktuell wertigen Holzoberflächen erzeugt: Treppenbelag, Fensterbänke, Eingangs- und Wohnungstüren sind aus massiver Eiche hergestellt.

 

Unvermeidbar führt ein solch substanzieller Eingriff zu einem beinahe vollständigen Austausch der Mieter­schaft, der hier jedoch im genossenschaftlichen Woh­nungs­­bestand der Heimkehr mieterfreundlich und sozial verträglich aufgefangen werden konnte.

 

Fotos: Marcus Bredt